"Wir wollen Schwung, Mut und Innovation reinbringen"

(Foto: Ortsverein FDP Eppertshausen) 

Eppertshausen (jedö) Schwarz und Rot: So sah das Farbenspektrum bei den Hessischen Kommunalwahlen 2016 in Eppertshausen aus. Nur CDU und SPD stellten damals Kandidaten für die Gemeinde-Vertretung auf, die nicht erst seither von der absoluten christdemokratischen Mehrheit geführt wird. Am 14. März 2021 wählen die Hessen erneut ihre Lokalparlamente - und die Eppertshäuser haben dann wieder eine Option mehr: Nach fünf Jahren Pause kehrt die örtliche FDP auf die politische Bühne zurück.

„Wir wollen Schwung, Mut und Innovation reinbringen“, sagt Aria Zahedi. Der 23-jährige Jurist, gebürtige Eppertshäuser mit iranischen Wurzeln und nach seinem Studium 2019 wieder in seinen Heimatort zurückgekehrt, ist Zweiter Vorsitzender des FDP-Ortsvereins. Geführt werden die derzeit ein Dutzend organisierten Liberalen von Thorsten Weber. Der hielt in der Legislaturperiode von 2011 bis 2016 noch als Einzelkämpfer die FDP-Fahnen in der Eppertshäuser Gemeindevertretung hoch. Im Jahrzehnt zuvor hatten die Freien Demokraten im Ort sogar mitregiert: Bis 2006 in einer Koalition mit der CDU, von 2006 bis 2011 in einer Kooperation, obwohl die CDU damals die absolute Mehrheit errungen hatte. Nun nimmt die FDP einen neuen Anlauf auf die Mandate. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, damit Eppertshausen wieder weg vom Zwei-Parteien-System kommt“, erläutert Zahedi die Bestrebungen „CDU und SPD machen hier zwar seit Jahren ihren, Job, und das in vielen Dingen auch gut.  Dennoch muss da mal ein frischer Wind rein, denn Politik ist ein dynamischer Prozess.m Das hier hat nichts mehr mit Pluralität zu tun.“

Ein Ansatz, mit dem sich die FDP in Eppertshausen als Alternative anbieten will: „Wir möchten den Bürger möglichst stark einbinden.“ Was einerseits auf der unmittelbaren politischen Ebene geschehen könne: „Wir suchen weiterhin Leute, die mit uns zur Kommunalwahl 2021 antreten möchten“, sagt Zahedi, der wohl hinter dem im Ort gut vernetzten Zugpferd Weber auf Listenplatz zwei auftauchen dürfte. Die weiteren Kandidaten könnten auch Bürger ohne FDP-Parteizugehörigkeit sein, „wir sind für alle offen“. Derzeit könne man dem Wähler für den kommenden März vier Kandidaten anbieten, acht bis zehn sollten es letztlich werden. Beim Stimmenanteil gibt Zahedi fürs Comeback bescheidene Ziele aus: „Sechs bis sieben Prozent sind drin.“ Bei 24 Gemeindevertretern insgesamt hoffen die Liberalen darauf künftig „mindestens zwei, lieber mehr“ stellen zu können. Denn: „Fraktionsarbeit lebt ja auch vom Teamwork“.

Den Ansatz, das Wort der Eppertshäuser in die kommunalpolitische Arbeit einfließen zu lassen („Wir wollen was für Eppertshausen machen. Die politischen Verhältnisse in Berlin und Wiesbaden spielen für unsere Arbeit hier nur eine Nebenrolle.“), verfolgt die FDP jetzt aber auch wieder auf niedrigschwelliger Ebene: Der Ortsverein sucht zum einen den Austausch mit den Bürgern, speziell bei Facebook. „Jeder kann uns anschreiben und wir bemühen uns stets um eine schnelle Reaktion.“

Zum anderen sind Zahedi und Co. bereit, sich persönlich mit Eppertshäusern zu treffen, um ihnen zuzuhören und neue Impulse fürs lokalpolitische Handeln aufzunehmen. „Wir kommen zu den Leuten, treffen uns mit ihnen zuhause oder im Biergarten, wollen mit ihnen reden. Vor allem aber sollen sie uns sagen, was sie stört, was ihnen fehlt, was sie sich für Eppertshausen wünschen. Denn wir haben den Eindruck, dass es hier zu viel um den Status quo geht, dass vor allem verwaltet wird.“

Ein Vorwurf, den vor allem die örtliche CDU nicht auf sich sitzen lassen dürfte, was einen interessanten Kommunalwahlkampf verspricht. Einen Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl am 1. November wird die FDP derweil nicht aufstellen.

Der Artikel erschien am 6. August 2020 in der 32. Ausgabe des Eppertshausener Anzeigeblatt.